Psychologie des Kashmir-Shaivismus

Psychologie

Kashmir-Shaivismus  – Psychologie & Weisheitslehre

Die Psychologie des Kashmir-Shaivismus ergibt sich aus den 36 Tattvas.,

Im Pratyabhijñāhrdayam* heißt es:

  1. Das höchste Bewusstsein, bringt das Universum aus seinem freien Willen hervor.
  2. Durch die Kraft seines eigenen Willens entfaltet sich das Universum als ein Teil seiner selbst.
  3. Auch die individuelle Seele, deren Natur Bewusstsein ist, verkörpert das Universum in zusammengezogener Form.
  4. Das Bewusstsein selbst, ist vom ausgedehnten Zustand herabgestiegen und wird zum Geist, beschränkt durch die Wahrnehmungsobjekte.
  5. Derjenige, dessen Natur der Geist ist, erfährt Maya.

 

Tattva-Vidya - Yoga der Erkenntnis

 

Die individuelle Seele entsteht durch die Kontraktion des allumfassenden Bewusstseins. Dadurch ist sie begrenzt und nimmt nur noch Teilaspekte des Bewusstseins wahr.

 

 

 

Wem die folgenden drei Abschnitte zu theoretisch sind, überspringe sie bis zur Beschreibung – beginnend mit „Purusha + Prakriti“.

Die begrenzte Seele mit ihren geistigen Fähigkeiten:

  • Purusha (individuelle Seele)
  • Prakriti /Gunas (Stimmungen der Natur)
  • Buddhi (Intelligenz, Unterscheidung)
  • Ahamkara (Ich-ausmachendes Prinzip)
  • Manas (denkender Geist)

 

Die Begrenzung bewirkt folgende Veränderungen:

  • Shiva wird zu Purusha              –  Selbst-Erleuchtung wird zu Beobachtung
  • Shakti wird zu Prakriti              –  Glückseligkeit wird zu Stimmungen
  • Sadashiva wird zu Buddhi         –  Wille wird zu Unterscheidung
  • Ishvara wird zu Ahamkara        –  Wissen wird zu falschem Wissen
  • Shuddha-Vidya wird zu Manas   –  Handeln wird zu Konstruieren

 

Attention: The internal data of table “11” is corrupted!

 

Purusha + Prakriti

Purusha – die individuelle Seele – und Prakriti – der Stoff aus dem die Welt besteht – sind für sich alleine genommen, in einem undifferenzierten, schlafähnlichen Zustand. Erst mit Buddhi (Intelligenz) erwachen sie.

 

Buddhi (Intelligenz)

Buddhi ist der feinste und der bedeutendste Teil des Geistes. Denn hier sind die Fähigkeiten der Bewusstheit, des Unterscheidens und des Erkennens beheimatet.

 

Ahamkara (Ego)

Purusha, die individuelle Seele, ist das reine „Ich“ in begrenzter Form. Es erfährt Subjekt (Purusha) und Objekt (Prakriti) als voneinander getrennt.

Ahamkara fühlt sich, infolge der Trennung, als unvollkommen und fehlerhaft.

Bitte bemerke: Sich fehlerhaft und unzulänglich zu fühlen entsteht durch, „sich vom Selbst getrennt zu fühlen “ – nicht durch eigenes „Verschulden“, wie meistens geglaubt wird.

Ohne konkretes Wissen um die Vorgänge, fühlt Ahamkara dennoch eine unbestimmte Sehnsucht – die Sehnsucht nach Vollständigkeit. Um Vollständigkeit zu erlangen, identifiziert sich Ahamkara mit Objekten, wie z.B. mit dem Körper, mit Eigenschaften, mit Gefühlen, Erinnerungen oder Erfahrungen. Dadurch entsteht das Empfinden, ein „bestimmtes Ich“ zu sein und der Eindruck, dass jemand existiere, der vom universellen Bewusstsein verschieden sei.

Die Beziehung zu Menschen ist eine weitere Form der Suche nach Ganzwerdung. Auch hier glaubt Ahamkara, durch Identifikation mit dem Anderen und seinen Fähigkeiten und Eigenschaften, ganz zu werden. Sich von Anderen den Ausdruck, die Sprache, den persönlichen Stil oder bestimmte Gesten anzueignen, ist eine weitere Form dieser Suche.

In jedem Menschen ist die Trennung zwischen „dem Sehenden“ und „dem Gesehenen“ vorhanden. In Ahamkara besteht die Tendenz sich selbst als „den Gesehenen“ zu betrachten und die Anderen als „Sehende“. Den Anderen wird das Recht der Bewertung zugestanden – positiv und negativ. Die Beurteilung wird sogar als Zeichen des Interesses und der guten Beziehung interpretiert. Gleichzeitig versucht derjenige, der sich als „Gesehen“ erlebt, den negativen Urteilen der Anderen zuvorzukommen, indem er möglichst perfekt ist. Gelingt das nicht, folgen meist quälende Versagens- Schuld- und/ oder Schamgefühle.

Was würde wohl passieren, wenn wir Unvollkommenheit einfach als gegeben nehmen würden?

 

Manas (denkender Geist)

Manas ist der Gedankenapparat, der von einer Sinneswahrnehmung zur Nächsten hüpft und dabei auswählt, womit er sich beschäftigt. Er stellt Verknüpfungen zu Erfahrungen, Sinneseindrücken, Meinungen, zu Vergangenem und Zukünftigem her, fügt Vorstellungen und Ideen hinzu und entwickelt daraus die Konstrukte, mit denen sich Ahamkara identifiziert.

Denkt Manas sich in etwas hinein, wird es zum Gefühl. Je nach Intensität ist Manas Gedanke – Gefühl – Körperempfinden – Schmerz – Lust.

Im Shuddha-Vidya-Tattva, in dem die Kraft des Handelns wirksam ist, bedeutet „Handlung“ etwas völlig anderes, wie das, was wir darunter verstehen. Wir handeln mit den Händen – in Shuddha-Vidya wird das höchste Bewusstsein zum entstehende Objekt.

In Manas ist dieser Aspekt ebenfalls vorhanden. Durch die Kraft der Gedanken und Vorstellungen wird Manas zum Gefühl, das sich in den Körper hinein ausbreitet und Körpersensationen in dem Teil des Körpers hervorruft, der mit den Gedankeninhalten korrespondiert.

Manas, das denkt und der sich mit dem Gedachten identifizierende Ahamkara, haben immense Kraft. Die Kraft entsteht aus den Gefühlen, die mit diesen beiden Aspekten verbunden sind. Gedanken alleine bringen uns nicht unbedingt zum Handeln. Sind Gefühle im Spiel, kann ein überaus starker Drang entstehen, das von Manas entwickelte Konzept mit dem sich Ahamkara identifiziert,  in die Tat umzusetzen.

Zusammenfassend ließe sich sagen, dass Ahamkara (Ego) und Manas (Denkapparat) jene Aspekte des Geistes sind, die Illusion erzeugen.

 

Aber…

…Gedanken sind doch wichtig!?

Ja, wenn die Gedanken Diener sind und sich auf das richten, was in diesem Moment von Bedeutung ist. Wenn sie die Herren sind und der Mensch hinter seinen Gedanken her läuft, bestimmen sie das Leben und machen uns blind für das, was die Schöpfung uns zu bieten hat.

Auf dem Rückweg zum Selbst sind Manas und Ahamkara Hindernisse, die nur mit dem Segen des Selbst durchdrungen werden können.

Häufig glaubt der Suchende: „Ich bin nicht gut genug, ich muss besser werden, damit ich zum Selbst werden kann“
Diese und ähnliche Ideen entstammen dem Manas und Ahamkara identifiziert sich damit.

Das Selbst muss nicht erlangt werden. Wir sind das Selbst.

In Wahrheit gilt es beides – Manas und Ahamkara – hinter sich zu lassen.

 

Wie kann das gehen?

 Der Weg geht über Buddhi.

Buddhi ist Intelligenz, sie unterscheidet, ist hellwach und wahrhaftig. Sie geht Hand in Hand mit dem allgemeinen Geist der die Samskaras**, das Unbewusste und die Erfahrungen beinhaltet.

Buddhi ist unpersönlich, ohne Eigen-Interesse – beobachtend und still.

Der Funke des göttlichen Bewusstseins richtet den Strahl der Aufmerksamkeit so, dass im Laufe der Zeit die Unterscheidungen der Buddhi immer klarer wahrgenommen werden und sich langsam in den unbegrenzten Raum ausdehnen können.

Buddhi ist das Tor zum Himmel.

Allerdings muss Buddhi entwickelt werden – von der niedrigsten Unterscheidung zur höchsten Unterscheidung und sich durch Hingabe im Höchsten verlieren.

Buddhi ist Wachheit, Bewusstheit und die Tür vom Begrenzten zum Unbegrenzten. Buddhi schafft Erkenntnis. Sie beinhaltet die göttlichen Qualitäten in begrenzter Form – Wille, Wissen, Handeln  – wobei Handeln und Wissen auf dem Rückweg zum Selbst in Buddhi zusammenfließen.

Buddhi ist Wille – hell – klar- leuchtend – die höchste Qualität menschlichen Bewusstseins.

Die Entwicklung der Intelligenz ist absolut notwendig!!!

Unterscheidung zwischen Wahrheit + Illusion = Intelligenz

Buddhi ist der Weg zur Vollkommenheit.

sgmkj

Strahlendes Licht

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind herzlich eingeladen Ihre Erfahrungen im Kommentarbereich niederzuschreiben… möglicherweise sind auch Fragen aufgetauch… all das läßt sich hier diskutieren.

Fußnoten:
* Pratyabhijnahrdayam – Die Herrlichkeit des Wiedererkennens – 20 Aphorismen, verfasst im 11. Jahrhundert, von Kshemaraja.
** Samskaras = genetisch geprägte Erfahrungen, die im aktuellen Leben auftauchen können.

 

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