Das Mantra

Mantra – die Ursache der Schöpfung

 

Hrae Krishna Hare Rama

Mantra in Devanageri-Schrift

 

 

 

Das Wort Mantra bzw. mantram, wie es im Sanskrit heißt, vereint die beiden Worte manas und tram. Dabei bezeichnet manas, den denkenden Geist und tram bedeutet Schutz oder auch Instrument/ Werkzeug. Mantra ist also ein geistiges Instrument oder ein geistiger Schutz, bzw. ein Schutz des Geistes

 

 

Und beides trifft für das Mantra zu:

Es ist einerseits Schutz vor allen Einflüssen, unabhängig davon, ob sie aus dem eigenen Inneren kommen oder von außen.
Andererseits ist das Mantra das Instrument, mit dessen Hilfe sich der Geist auszurichten vermag, um schließlich zur Ruhe zu kommen.

Der stille Geist ist die Grundlage dafür, dass das „Selbst“ erfahren werden kann.

 

Das Mantra

Ein Mantra hat meinst eine Kernaussage und ein bija-mantra (Samen-Mantra). Dabei steht das bija-mantra häufig am Anfang und/oder am Ende der Kernaussage. Die Kernaussage besteht in der Regel aus der Verehrung göttlicher Aspekte, die auch in Form von Gottheiten, denen bestimmte Aspekte zugeordnet sind,  ausgedrückt wird.

Hier zwei Beispiele:

„Kali Durge Namo Namah“
Hier sind zwei Gottheiten genannt. Kali und Durga sind Kriegerinnen, die die Begrenzungen vernichten. Sie sind Aspekte der göttlichen Shakti, der schöpferischen Kraft Shivas.
Wobei „Kali“ „die Schwarze“ bedeutet. Sie ist die Mutter der Zeit. Durch ihre Gnade kann die Begrenzung der Zeit transzendiert werden. Sie ist jener Aspekt der die Unwissenheit zerstört und die Verwirklichung gewährt.
„Durga“ ist diejenige, „die schwer zu besiegen ist“ „Namo Namah“ bedeutet: „Ich bringe meine Grüße wieder und wieder dar“.
In dieser Form besteht das Mantra nur aus der Kernaussage. Es ist ohne Bija-Mantra.

In dem Mantra  OM Bhagawan“  ist „OM“ das Bija-Mantra (siehe unten) und „Bhagawan“ die Kernaussage.
Bhagawan bezieht sich auf „Gott, den Herrn, der von großer Pracht, Herrlichkeit, Vortrefflichkeit und Glück ist“.

 

Chaytanya-Mantra

Chaytanya“ bedeutet „lebendig“
Das Chaytanya-Mantra ist ein Initiations-Mantra. Es kann nur von demjenigen gegeben werden, der das Mantra vollkommen verwirklicht hat. Dadurch ist es „lebendig“ – es trägt die Gnade des Verwirklichten in sich.

 

Bija-Mantra

Jedes Objekt im erfahrbaren Universum besteht aus aktiven, vibrierenden Kräften. Der subtile Klang, der von diesen Kräften hervorgerufen wird, ist der „natürliche Name“ oder das Bīja-Mantra (Samen-Mantra). Es bringt das, dem Klang entsprechende, Objekt hervor. Bija-Mantras sind einsilbig.

Im menschlichen Körper besitzen sechs von den sieben Chakras ein Bija-Mantra, von denen der Aufbau, die Erhaltung und die Regulation des psycho-physischen Systems ausgehen.

TattvaBijaChakra
prithivu012b - Erd-Tattvalammu016blu0101dhu0101ra - Wurzel-Chakra
ap - Wasser-Tattvavamsvu0101dhisthu0101na - Sakral-Chakra
agni - Feuer-TattvaramManipu016bra - Nabel-Chakra
vayu - Luft-TattvayamAnu0101hata - Herz-Chakra
akasha - u00c4ther-TattvahamVishuddha - Kehl-Chakra
Guru-Tattvaomu0100jnu0101 - Stirn-Chakra

Die einzige Ausnahme ist das Scheitel-Chakra (Sahasrāra). Es besitzt kein Bīja-Mantra.

 

OM

Das höchste bija-Mantra ist OM. OM ist pranava, der Urklang und damit das wichtigste Bija-Mantra, denn es ist der Anlass der Schöpfung. Es enthält alle anderen Mantras, die in ihrer Gesamtheit dieses Universum erschaffen.

In den großen philosophischen Richtungen Indiens wird gesagt, dass der Klang Schöpferkraft ist. Jeder Klang ist Vibration und aus dieser Vibration entsteht die „Form“. Klänge und ihre Vibrationen erschaffen das innere und das äußere Universum.

Das Zentrum des klassischen Mantras besteht aus Silben, die göttliche Aspekte widerspiegeln und die in demjenigen, der das Mantra wiederholt, diese Qualitäten hervorrufen.

Das Mantra wird rezitiert, wobei die Wirksamkeit des Mantras vom bhāva beeinflusst wird. Der bhāva ist die Einstellung, die Hingabe, das Gefühl, mit dem das Mantra wiederholt wird.

Derjenige, der das Mantra in dem Bewusstsein wiederholt, dass

das Mantra  –  derjenige, der das Mantra wiederholt  –  und das Ziel des Mantras  –  EINS sind,

erfährt die höchste Wirklichkeit.

 

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