Die 36 Tattvas (1-5)

Tattvas

Die 36 Tattvas des Kashmir-Shaivismus

 

Shivs Nataraja

 

 

Der Kashmir-Shaivismus ist eine nonduale Philosophie.

 

 

 

 

Sie geht davon aus, dass das ganze Universum nichts anderes als bewusste Energie ist, und dass diese Energie, Form annimmt, und zu der sichtbaren und erfahrbaren Welt wird. Tiere, Bäume, Bäche, Seen, der Himmel und die Sterne sind demnach reine Bewusstseins-Energie. Auch der Mensch mit Körper und Persönlichkeit besteht aus reinem Bewusstsein.

 

In Indien wird der Kashmir-Shaivismus auch Pratyabhijna-Philosophie genannt – die Lehre vom Wiedererkennen.
Und tatsächlich geht es in dieser Weisheitslehre darum, die wahre eigene Identität wieder zu erkennen.

Die 36 Tattvas sind eine Beschreibung der 36 Stufen des Bewusstseins.

Es wird gesagt, dass es nur ein einziges Bewusstsein gibt, und dass dieses Bewusstsein sich so lange verändert und differenziert bis es vom universellen göttlichen Bewusstsein zu der individuellen Person mit ihren Sinnesorganen und der Wahrnehmung einer objektiven äußeren Welt geworden ist.

Das besondere ist, dass das transzendente Bewusstsein, obwohl es Differenzierungen und Einschränkungen durchläuft, gleichzeitig auch unverändert bleibt. Deshalb sagt der Kashmir-Shivaismus, dass

  • alles aus Bewusstsein besteht,
  • in allem Bewusstsein pulsiert und
  • um alles herum Bewusstsein ist.

Anders ausgedrückt: Es gibt nichts anderes als dieses Bewusstsein.

Das transzendente Bewusstsein oder Paramashiva – wie es im Sanskrit auch genannt wird – „ist“ einfach. Um die Welt der Erscheinungen kreieren zu können, muss es sich im ersten Schritt, in zwei grundlegende Aspekte teilen, nämlich in Subjekt und in Objekt. Dieser Vorgang wird in den ersten 5 Tattvas beschrieben.

1. Shiva-Tattva

Shiva-Tattva ist reines Bewusstsein, das aus sich selbst heraus leuchtet, es ist die „sich selbst enthüllende Kraft“.
Es ist reines Subjekt und kann sich daher nicht selbst erblicken oder erkennen.

2. Shakti-Tattva

Shakti-Tattva ist der bewegende oder aktive Aspekt des Bewusstseins.

Es ist das Objekt, das vom Subjekt (Shiva-Tattva) wahrgenommen wird.

Shakti ist die Ursache jeglicher Veränderung und Bewegung im manifestierten Universum. Sie ist der Strom des Bewusstseins, der alle Dinge ins Leben bringt. Diese Form des Bewusstseins wird „ānanda“ genannt  –  höchste Glückseligkeit.

Alle nachfolgenden Tattvas entsetehen aus Shakti.

3. Sadāshiva-Tattva

Sadāshiva-Tattva ist die erste vorwärts Bewegung des Bewusstseins, durch die sich das Subjekt seiner selbst in Beziehung zum Objekt bewusst wird:

Ich bin Dies“

Diese erste vorwärts Bewegung wird durch die universelle Willenskraft (icchā-shakti) hervorgebracht.

4. Īshvara-Tattva

Hier erkennt das Subjekt, dass es das Objekt ist. Es erkennt sich mit dem Objekt als identisch:

„Ich bin Dies

Hier ist die Kraft des Wissens wirksam (jñāna-shakti). Sie ist reine Erkenntnis, ohne Reaktion und ohne Verlangen.

5. Shudda-Vidyā-Tattva

Ich“ und „Dies“ sind ausgewogen.

Die Betonung liegt gleich stark auf dem Subjekt und dem Objekt.

Hier wird Subjekt und Objekt gleichermaßen erkannt, was die Voraussetzung für Handeln und für Kreativität ist. Daher ist im Shudda-Vidyā-Tattva die kriya-shakti, die Kraft des Handelns, wirksam.

Diese 5 Tattvas beschreiben einen wahrhaft göttlichen Zustand, der im Sanskrit auch als „Sat-Chit-Ānanda“Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit – beschrieben wird.

Ein Zustand absoluter Einheit, bedingungsloser Zufriedenheit, zeitlos, allgegenwärtig, bewusst und von Glückseligkeit durchdrungen.

Fortsetzung…

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